Samstag, 29. Oktober 2016

Kovac' Tugenden

Borussia Mönchengladbach 0:0 Eintracht Frankfurt „Es ist eine schwere Phase. Aber nur, weil uns ein bisschen die Durchschlagskraft fehlt. Ansonsten stehen wir aber stabil und zu Null, haben viermal in den letzten fünf Pflichtspielen kein Gegentor kassiert.“, brachte es Nationalspieler Kramer nach der Nullnummer gegen Frankfurt auf den Punkt. Die Elf vom Niederrhein fand gestern, Freitag, gegen kompakte Frankfurter kein Mittel deren Abwehrriegel zu knacken. Nicht umsonst stellt die Eintracht die viertbeste Defensive der Bundesliga. Die Bollwerke aus Frankfurt, Köln und Berlin mischen die Liga weiter auf.

Die Gäste bestechen seit Saisonbeginn durch knallharte Abwehrarbeit. Kovac hat der Eintracht jene Eigenschaften vermittelt, die ihn selbst als Aktiver ausgezeichnet hatten: Organisation und Zweikampfstärke. Während zweitere Statistik die Borussen gestern mit 55:45 Prozent für sich entschieden, fanden die Hausherren gegen ultrakompakte Gäste keine Lösung. Die Frankfurter agierten gegen den Ball mit einer Fünferkette und davor mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Keineswegs stellte sich die SGE aber an den eigenen Strafraum und bolzte die Bälle raus. Nein, die Gäste ließen den ersten kurzen Pass auf die Verteidiger zu und setzten Gladbach schon im Spielaufbau unter Druck. Phasenweise störte die Eintracht mit fünf Spielern in der gegnerischen Hälfte. Die eigene Abwehr um Kapitän Abraham schob in der Folge 35 Meter vor das eigene Tor um den Raum für das Gladbachs Kurzpassspiel noch weiter zu verknappen.

Die Borussia fand gegen Frankfurts Kompaktheit im ersten Durchgang kein Mittel. Durch den Zweieraufbau schafften es die Jungs von Trainer Schubert zwar Gleichzahl im Zentrum herzustellen, der begrenzte Raum erstickte einen kontinuierlichen Spielaufbau aber im Keim. Der Weg über die Flügel bot sich den Gladbachern erst in Durchgang Zwei. Diesen hatte die Eintracht schon längst für sich entdeckt. Durch ihren Dreieraufbau und das Abkippen von einem der beiden Sturmspitzen, kreierten die Gäste oftmals eine 3:2-Überzahl an den Flügeln und kam so zu zwei nennenswerten Tormöglichkeiten. Schließlich kam auch das Flügelspiel der Borussia in die Gänge, durch schnelle Kombinationen über Außen rissen Kramer und Stindl Löcher in den Frankfurter Abwehrverbund, das Muster war stets ident: Steilpass auf Hahn und der mit der Hereingabe. Die Aktionen in den Minuten 50, 54 und 68 blieben aber unbelohnt. Die Frankfurter verloren ihre Konzentration, Gladbach hatte einen Weg gefunden das kompakte Zentrum zu umgehen und knallte nach einer ähnlichen Aktion über links das Leder sogar an die Querlatte (72.). Mit Herrmann und Schulz bzw. Seferovic und Tarashaj brachten beide Trainer flinke Spieler um in die Räume hinter der Abwehr zu gelangen. Mehr als ein Versuch blieben die Wechsel aber nicht. Die Frankfurter Spieler lagen sich nach der Nullnummer in den Armen. Kovac, der als Trainer weder bei Salzburg noch als Teamchef Kroatiens für Glanzlichter sorgte, hat einen Abstiegsaspiranten zu einem organisierten Mittelständler geformt. Hut ab! Gladbach jedoch, wirkte antriebslos und ohne Ideen, ja fast schon etwas hilflos.

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