Samstag, 29. Oktober 2016

Schlafende Wölfe

Wolfsburg 1:2 Bayer Leverkusen Ein Topspiel zum Einschlafen. Topspiel zumindest wenn die Leistungen der letzten Jahre herangezogen. Diesmal empfing denn der Sechzehnte den Elften. Und Besserung ist auch für die kommenden Wochen keine in Sicht. Zumindest in der Autostadt. Auch nach der Entlassung von Dieter Hecking stockt der Motor. Die Wölfe agierten über 90 Minuten wie dressierte Hunde. Besonders mit dem aggressiven Angriffspressing ihrer Gäste hatten die Hausherren zu Beginn ihre liebe Not. Gefährlich wurde die Truppe von Interimscoach Ismael nur, wenn sie den Ball hinter die Leverkusener Abwehr beförderte. So gelang auch der Wolfsburger Führungstreffer. Leverkusen attackiert im Mitteldrittel zu zögerlich, Wolfsburg gelingt auf Grund des geringen Druckes der lange Ball hinter die Abwehr. Den Rest trägt ein indisponierter Jedvaj bei, der das Abwehrzentrum völlig frei gibt. Arnold verwertet die Hereingabe.

Im zweiten Durchgang stellen die Wolfsburger das Fußballspielen komplett ein. Ihnen gelingt nur noch ein mickriger Torschuss. Außerdem kommen bei Wolfsburg nur unterirdische 68 Prozent der Pässe beim Adressaten an, bei Leverkusen sind es auch nur 73 Prozent. Zahlen, welche das Spielniveau ausgiebig beschreiben. Leverkusen übernimmt den dominierenden Part in einer faden Partie mit zwei verunsicherten Teams und kommt in der Folge zu weniger Pressingmöglichkeiten. Über Mehmedi und Kampl rollen die Angriffe der Gäste, in Bedrängnis geraten die Wölfe aber nur wenn Bayer mit Tempo in die Tiefe spielt. Ansonsten darben die Gastgeber ihr Dasein als brave Schoßhündchen denn als bissige Wachhunde. Solange der Raum vor dem eigenen Tor besetzt, scheint alles in Ordnung. Druck auf den ballführenden Leverkusener scheint an diesem Samstagnachmittag kein Teil der Wolfsburger Abwehrarbeit. Leverkusen wiederum, wirkte mit der Spielgestaltung überfordert. Dennoch dringen die Gäste immer wieder über die Flügel in den Strafraum ein. So gelingt schließlich der Ausgleich durch Mehmedi. Kurz später trifft Jedvaj zum 1:2 womit Bayer bereits zum dritten Mal in dieser Spielzeit ein Match dreht. Gegen einschläfernde Wölfe.

Kovac' Tugenden

Borussia Mönchengladbach 0:0 Eintracht Frankfurt „Es ist eine schwere Phase. Aber nur, weil uns ein bisschen die Durchschlagskraft fehlt. Ansonsten stehen wir aber stabil und zu Null, haben viermal in den letzten fünf Pflichtspielen kein Gegentor kassiert.“, brachte es Nationalspieler Kramer nach der Nullnummer gegen Frankfurt auf den Punkt. Die Elf vom Niederrhein fand gestern, Freitag, gegen kompakte Frankfurter kein Mittel deren Abwehrriegel zu knacken. Nicht umsonst stellt die Eintracht die viertbeste Defensive der Bundesliga. Die Bollwerke aus Frankfurt, Köln und Berlin mischen die Liga weiter auf.

Die Gäste bestechen seit Saisonbeginn durch knallharte Abwehrarbeit. Kovac hat der Eintracht jene Eigenschaften vermittelt, die ihn selbst als Aktiver ausgezeichnet hatten: Organisation und Zweikampfstärke. Während zweitere Statistik die Borussen gestern mit 55:45 Prozent für sich entschieden, fanden die Hausherren gegen ultrakompakte Gäste keine Lösung. Die Frankfurter agierten gegen den Ball mit einer Fünferkette und davor mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Keineswegs stellte sich die SGE aber an den eigenen Strafraum und bolzte die Bälle raus. Nein, die Gäste ließen den ersten kurzen Pass auf die Verteidiger zu und setzten Gladbach schon im Spielaufbau unter Druck. Phasenweise störte die Eintracht mit fünf Spielern in der gegnerischen Hälfte. Die eigene Abwehr um Kapitän Abraham schob in der Folge 35 Meter vor das eigene Tor um den Raum für das Gladbachs Kurzpassspiel noch weiter zu verknappen.

Die Borussia fand gegen Frankfurts Kompaktheit im ersten Durchgang kein Mittel. Durch den Zweieraufbau schafften es die Jungs von Trainer Schubert zwar Gleichzahl im Zentrum herzustellen, der begrenzte Raum erstickte einen kontinuierlichen Spielaufbau aber im Keim. Der Weg über die Flügel bot sich den Gladbachern erst in Durchgang Zwei. Diesen hatte die Eintracht schon längst für sich entdeckt. Durch ihren Dreieraufbau und das Abkippen von einem der beiden Sturmspitzen, kreierten die Gäste oftmals eine 3:2-Überzahl an den Flügeln und kam so zu zwei nennenswerten Tormöglichkeiten. Schließlich kam auch das Flügelspiel der Borussia in die Gänge, durch schnelle Kombinationen über Außen rissen Kramer und Stindl Löcher in den Frankfurter Abwehrverbund, das Muster war stets ident: Steilpass auf Hahn und der mit der Hereingabe. Die Aktionen in den Minuten 50, 54 und 68 blieben aber unbelohnt. Die Frankfurter verloren ihre Konzentration, Gladbach hatte einen Weg gefunden das kompakte Zentrum zu umgehen und knallte nach einer ähnlichen Aktion über links das Leder sogar an die Querlatte (72.). Mit Herrmann und Schulz bzw. Seferovic und Tarashaj brachten beide Trainer flinke Spieler um in die Räume hinter der Abwehr zu gelangen. Mehr als ein Versuch blieben die Wechsel aber nicht. Die Frankfurter Spieler lagen sich nach der Nullnummer in den Armen. Kovac, der als Trainer weder bei Salzburg noch als Teamchef Kroatiens für Glanzlichter sorgte, hat einen Abstiegsaspiranten zu einem organisierten Mittelständler geformt. Hut ab! Gladbach jedoch, wirkte antriebslos und ohne Ideen, ja fast schon etwas hilflos.

Freitag, 14. Oktober 2016

Berliner Mauer in Dortmund

Faden Dortmundern gelingt es nur selten den Abwehrblock der Hauptstädter zu überwinden. So kommen die Schwarz-Gelben vor heimischer Kulisse nur zu einem Punkt. Den Ausgleich erzielte der bis dahin glücklose Aubameyang, die Berliner Führung gelang dem Schweizer Stocker nach Fersen-Vorlage.

Obwohl die Hausherren in der Anfangsphase bis zu 77 Prozent Ballbesitz hatten und eine Passerfolgsquote von 88 Prozent vorweisen konnte, so richtig Gefahr konnte die Offensive um Mario Götze und Emre Mor keine erzeugen. Die Berliner Abwehr, bis dato in drei Spielen mit weißer Weste – lediglich die 90 Minuten von München und Frankfurt trüben etwas die Optik -, stand einwandfrei. Auch im zweiten Durchgang gab es lange Zeit kein Durchkommen. Und dann kam die alte Dame, wie die Jungfrau zum Kinde, sogar zum ersten Tor des Spiels. Ginter ließ von Ibisevic ab, der sehenswert per Ferse auf Stocker durchsteckte. Der Schweizer allein auf weiter Flur brauchte gegen seinen Landsmann Bürki die Kugel nur noch vorbeischieben (51.).

Ohne den verletzten Castro wollte das Dortmunder Spiel nicht so recht in die Gänge kommen, der BVB fand partout keine Lücken im kompakten Abwehrverbund der Hauptstädter. Der BVB versuchte das Spiel organisiert von hinten aufzubauen, wobei Berlins vier Offensivspieler auf Höhe der Mittellinie attackierten und geschickt die Räume schlossen, Stark und Skjelbred das Zentrum zumachten und die Viererkette vergleichsweise hochstand um den bespielbaren Raum zusätzlich zu verengen. Fanden die Hausherren schließlich doch ein Mittel, ließen sich die Herthaner bis an den eigenen Strafraum fallen und zogen eine Mauer hoch. Stark, Skjelbred und Stocker machten das Zentrum vor der Abwehr dicht und attackierten den Ballführenden aggressiv. Um das folgende Flügelspiel lahm zu legen ließen sich die Flügelspieler Esswein und Haraguchi als zusätzliche Außenverteidiger in die letzte Linie fallen um noch kompakter agieren zu können.

Mit Kagawa und Dembélé brachte Tuchel in der 60. Minute mehr Speed um den robusten, aber trägen Berliner Abwehrspielern etwas entgegen zu setzen. Prompt wurde es gefährlich als Dembélé auf Aubameyang durchsteckte, Jarstein den lässigen Heber des Gabuners aber noch an den Pfosten drehte (67.). In der 77. Minute scheiterte Aubameyang erneut am Norweger als dieser einen fragbaren Hand-Strafstoß parierte. Schließlich war es erneut ein Steilpass der die Berliner Abwehr ausmanövrierte. Dembélé auf und davon legte auf Aubameyang quer, der seine dritte dicke Chance nun nutzte.


In der Schlussphase kochen die Gemüter hoch. Nachdem der lange Langkamp Mor im Ringergriff am liebsten nach Hause nehmen möchte, verliert dieser die Beherrschung. Mor wird nach seinem Stoß mit glatt Rot vom Feld verwiesen, Langkamp sieht für sein taktisches Foul den gelben Karton. Nur wenig später tritt der Berliner Torschütze Stocker den Dortmunder Ginter von hinten um und sieht ebenfalls Rot. Torchancen erspielt sich keines der Teams mehr. Berlins Abwehr steht kompakt und sichert das Remis. Die Hertha verteidigt damit den zweiten Rang, Bayern kann mit einem Sieg morgen in Frankfurt bereits eine 6-Punkte-Lücke auf den großen Rivalen Dortmund aufreißen.